Zittern für Opa

Guernica, Picasso

Als mein Großvater in den zweiten Weltkrieg einrücken musste, wollte er nicht. Ich habe ihn nie kennengelernt – er ist gestorben, bevor ich geboren wurde – aber wenn er auch nur ein bisschen wie mein Vater war, dann muss er ein gutherziger, sensibler Mann gewesen sein. Warum hätte er also Lust auf Krieg haben sollen?
Die Knie meines Opas müssen geschlottert haben vor Angst. „Scheiß auf die Ehre! Ich will nicht sterben! Ich will da nicht hin! Ich will zuhause bleiben, wo es schön ist und sicher!“→ weiterlesen

Vom Nicht – Handeln

Foto by Claudio Schwarz | @purzlbaum

Und ein paar andere Gedanken zu Corona…

Du sitzt mit deinen Liebsten beim Abendessen zusammen. Ihr trinkt ein paar Gläser Wein, plaudert über dies und das und irgendwann kommt unweigerlich zur Sprache, was in der Welt passiert. Aktuell: Corona, Flüchtlingskrise, Umweltkrise. Ständige Klassiker: Kapitalismus, Patriarchat, das „System“, (oder, je nach Subgruppe, die „Matrix“). → weiterlesen

Un – Sicherheit

„We began in a fairytale and we came to life, but is this life reality? No. It is a film. Zoom back camera.“

The Holy Mountain

Berlin, Deutsche Film- und Fernsehakademie. Es könnte der Anfang eines Films sein, der ruhig und gewissenhaft erzählt, mit langen Einstellungen und interessanten Protagonistinnen: 32 künstlerisch orientierte, junge Menschen werden zusammengeworfen, verbringen ein paar Monate intensiv Zeit miteinander und werden dann dazu aufgefordert, selbstständig Gruppen von sechs zu bilden, um in dieser Konstellation ihren Abschlussfilm zu machen.
Im ersten Akt scheint es, als hätten sich alle aufrichtig gerne, doch im Gruppenfindungsprozess kommt viel zum Vorschein: Angst, Überforderung, Druck. Was ein spielerischer Umgang mit der Kunst des Filmemachens sein könnte, wird auf einmal sehr, sehr Ernst. Wieso ist das so und was hängt damit alles zusammen?
Ein paar soziologische Beobachtungen anhand von im Diskurs gefallenen Aussagen (mit keinerlei Anspruch auf Wahrheit)…→ weiterlesen

Sex und Arbeit

Unschuldig wie ein frisch geschlüpftes Vögelchen war ich, als ich bei Ebay Kleinanzeigen mein Job-Gesuch announciert habe. „Bar-Job auf Minijob-Basis“ stand im Titel, es folgte ein Text über meine Gastro-Erfahrung und meine Cocktailkenntnisse. Dazu ein Schwarz-Weiß-Bild, wo ich ein wenig verwirrt in die Kamera grinste.

Schon in den ersten Minuten der Onlinestellung wurde klar, dass die Interessenten alles missverstanden haben, was man an einem kurzen Text missverstehen kann. Als hätten sie gemeinschaftlich beschlossen, meine Barkeeper-Jobannounce wäre nur eine schlechte Tarnung für „JA, ich möchte UNBEDINGT ein Nackt-Pferdefotoshooting machen“. → weiterlesen

Nachhause kommen – die Integration eines psychedelischen Trips

Manche Trips sind in etwa so leicht zu verdauen wie Schweinsbraten oder Mayonnaisesalat. Nach meinem ersten psychedelischen Trip war ich vor allem eines: reichlich verwirrt. Meine komplette Weltsicht war immerhin innerhalb weniger Stunden auf den Kopf gestellt worden… Ich hatte keine Ahnung, was ich mit dem mir Gegeben anfangen sollte. Ich hätte damals dringend einen Auskenner zum Reden gebraucht, denn obwohl mir meine Freunde zuhörten, konnte mir niemand Antworten auf meine Fragen geben. → weiterlesen

Sucht – Irrglaube, Realität und Bekämpfung

I have seen the best minds of my generation, starving, hysterical, naked, dragging themselves through negro streets at dawn, looking for an angry fix…
Allen Ginsberg

Man hat uns beigebracht, dass Sucht eine chemische Reaktion unseres Körpers ist und man eine bestimmte Substanz nur lange genug nehmen muss, um süchtig zu werden. An der Spitze dieses gigantischen Suchtberges steht Heroin, dicht gefolgt von Chrystal Meth und Kokain, ganz unten befinden sich Tabak und Kaffee. Irgendwo dazwischen: Alkohol, Amphetamine, LSD und Co. → weiterlesen

Wer sich auf die Reise begeben sollte

It’s a dangerous business, going out of your door, you step onto the road, and if you don’t keep your feet, there’s no telling where you might be swept off.
J. R. R. Tolkien

Reisen ist abenteuerlich, aufregend, gewinnbringend – es kann aber auch gehörig schief gehen. Ich finde: Reisen ist die beste Metapher für das, was nach dem Konsum einer psychedelischen Substanz passiert. Nicht umsonst nennt man es einen Trip! Einige Leute scheinen geeigneter für das Trippen zu sein als andere. Aber stimmt das? Wer sollte eigentlich trippen? → weiterlesen

Ibogaine – Die Heilmedizin aus Afrika und die Heroinsucht

Iboga Pflanze

Stell dir vor, es existiert irgendwo in diesem Universum eine Wunderpille, mit der du tiefgehende Probleme in deinem Leben lösen kannst, zum Beispiel eine langjährige Heroin- Suchterkrankung. Eine Pille, mit der du einfach von Null anfangen kannst, ganz von Vorne. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Eine Droge, um Drogensucht zu heilen? Darf ich vorstellen: die Iboga-Pflanze aus Afrika. → weiterlesen

Ein Plädoyer für das nächtliche Träumen, das Heldentum und eine Rückkehr zur Bedeutung

Und einige Parallelen zwischen
fiktiven, psychedelischen und träumenden Reisen

„Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (Goya 1799)

Die wenigsten Menschen in unserer westlichen Gesellschaft scheinen ihre Träume wirklich ernst zu nehmen. Spannend, ja, lustig sowieso, aber dass Träume auch ein Werkzeug zu Selbsterkenntnis und Einsicht sind, begreifen nur einige Psychologen, alte Freudianer/Jungianer oder ein paar andere Verrückte. In unserer postmodernen Gesellschaft wurde die Bedeutung zuerst aus Träumen genommen (sie seien bloß „sinnloses Abfallprodukt des Gehirns“), dann aus unseren Geschichten (mittels Dekonstruktion), und schließlich aus allem anderen. → weiterlesen