Das Gehirn auf LSD und die Vernetzung der Welt

You have to take seriously the notion that understanding the universe is your responsibility, because the only understanding of the universe that will be useful to you is your own understanding.
Terence McKenna


Das Leben hat unfassbar viel Schönes zu bieten, aber folgende Dinge möchte ich besonders hervorheben: Yoghurt Eis, die Gilmore Girls, und (selbst-)reflektierte Menschen. Während die ersten beiden Aufzählungen eher selbsterklärend sind, bedeutet Letzteres konkret: Ich schätze es, mit jemandem zu reden, der nicht dauern in sich selbst steckt sondern von Zeit zu Zeit einen phänomenologischen Schritt aus sich heraus wagt und die Welt und sich selbst überblickt. Ich hoffe, dass dieser Satz nicht zu gedanklichen Verrenkungen führt; es ist ein schwer zu erklärender Vorgang und die Philosophen nennen es zuweilen auch das Paradox der Subektivität.

Was hat das aber alles mit LSD und der Welt zu tun, wie der Titel dieses Eintrags schon reißerisch verrät? Man folge meinem Gedankengang.

In folgendem Bild kann man das Gehirn auf LSD sehen (andere Substanzen wie zum Beispiel Psilocybin machen Vergleichbares im Hirn):

Imperial College/Beckley Foundation

Nach der Einnahme von LSD sind für einige Stunden (im Schnitt 8-12) mehr Regionen im Gehirn aktiv als sonst, und auch die Neuronen sind besser untereinander vernetzt. Und nicht nur das: Es bilden sich sogar gänzlich neue neuronale Verbindungen; zwischen Regionen, die davor noch nicht miteinander vernetzt waren! Zusätzlich deaktiviert LSD das sogenannte Default Mode Network im Gehirn. Dieses ist zuständig für das Planen, für Ich-Gedanken und das Tagträumen – und es ist bei depressiven Menschen hyperaktiv, weswegen LSD von Wissenschaftlern mittlerweile als mögliches Antidepressivum untersucht wird.

Wie wirken sich die Geschehnisse im Gehirn auf das Individuum aus? Durch den LSD Trip werden komplett neue Wege des Denkens und Erfahrens geschaffen. Die alten, verstaubten Straßen müssen nicht länger benutzt werden, weil es neue, abenteuerliche Pfade gibt. Das Selbstbild („ich bin x und nicht u, deswegen mache ich nie y“) ist vorübergehend außer Kraft gesetzt und blockiert daher nicht die neuen Pfade, die vom erlebenden Selbst begangen werden wollen. Der rege Austausch in Hirn erklärt auch synästhetische Erfahrungen, die während eines LSD Trips auftreten können: das Sehen von Musik beispielsweise oder das Schmecken von Farbe. Und es erklärt, warum sich viele Menschen mit einer kindlichen Faszination erfüllt sehen, bei der die Welt wieder zum Spielplatz wird.

Verbindungen überall

Die Verbindung vom LSD Trip zur Vernetzung der Welt mag nun etwas gewagt erscheinen. Aber man werfe nur mal einen Blick auf dieses Bild hier:

Medienbildung Uni Flensburg

Vernetzungen überall! Zwischen Regionen, die sich vorher nie begegnet waren, herrscht jetzt ein reger Austausch: von Wissen, von Kapital, von Menschen. Das Internet ist natürlich das Vorzeigephänomen für diese Entwicklung.

Natürlich hinkt der Vergleich von „Gehirn auf LSD“ und „Globalisierung“, so wie jeder Vergleich ein wenig hinkt. Aber man kann nicht leugnen, dass es einige Parallelen gibt: der Austausch, die neuen (buchstäblichen und bildlichen) Wege, die vielen positiven Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden, die Unkontrollierbarkeit, und die viele Risiken bzw negativen Effekte, …

Warum nun dieser Vergleich?

Weil beides – Psychedelika und die Globalisierung – zu der von mir oben angesprochenen Selbstreflexion führen (können), zu einer Metaebene: das Individuum denkt sich selbst und die Welt, während es ein Selbst ist, in der Welt. Und das weiß es auch. Es kennt sein Sein in all seiner Beschränktheit, und es kennt seinen Ort.

man entschuldige die hässliche Graphik

 

Wie kommt so eine Denkweise zustande? Weil neue Wege geschaffen wurden, neues Wissen besteht, es neue Möglichkeiten zu Denken und zu Handeln gibt. Nicht zwangsläufig muss es so passieren, und nicht zwingend. Aber die Bahnen sind da. Und an so einem Punkt scheint die Menschheit bisher noch nicht gewesen zu sein. Mir scheint, wir befinden uns in etwas ganz Neuem; niemals zuvor hatten wir Zugriff zu so viel Wissen. Niemals zuvor hatten wir die Fähigkeit höchst exakte Messungen von physikalischen Begebenheiten anzustellen, und hatten gleichzeitig Zugang zu traditionellen schamanischen Weisheiten (um zwei Extreme darzustellen).

die auch

Die verschiedenen Denkansätze gilt es zu vereinen, um sozusagen das beste aus allen möglichen Welten herauszuholen. Vielleicht hilft uns das, den Menschen besser zu verstehen, in all seiner Vielschichtigkeit, seinem Glück, seinem Leid, seinem Hass. Vielleicht hilft uns das auch, neue Wege des Zusammenlebens zu finden. Wege, an die wir bis jetzt noch gar nicht gedacht haben konnten, eben weil uns gewisse globale und geistige Verbindungen fehlten. Jene Bindungen, die wir jederzeit herstellen können, mit Mühe, Geduld, Einsicht und Mut. Das ist der Grund, warum ich reflektierte Menschen so mag: sie denken das Leben neu.

Quellen:
http://science.orf.at/stories/2768013/

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