Ein kritischer Blick auf Ayahuasca

Foto by Sascha Grabow

Als ich das erste Mal auf Ayahuasca stieß, hatte ich keine Ahnung, was das Zeug ist. In den letzten Jahren hat sich allerding so ein Hype um das Gebräu entwickelt, dass sogar große Fernsehformate (Joko & Klaas?) sich der Thematik annähern. Obwohl ich der Meinung bin, dass das Verbreiten des Wissens um das Transformations-Potential von Ayahuasca durchaus erstrebenswert ist, gibt es viele, viele Nachteile und Missverständnisse, die durch den Hype entstanden sind.

Beim Lesen von Albert Hofmanns Klassiker LSD Mein Sorgenkind, stieß ich auf einige Stellen, die Parallelen zur Ayahuasca-Situation heute aufweisen:

„In den Jahren 1964 bis 1966 erreichte die Publizität um LSD ihren Höhepunkt, sowohl was begeisterte Berichte von Drogenfanatikern und Hippies über die Wunderwirkung von LSD als auch was Meldungen von Unglücksfällen, von seelischen Zusammenbrüchen, von kriminellen Handlungen, Morden und Selbstmorden unter dem Einfluß von LSD anbetraf. Es herrschte eine wahre LSD-Hysterie.“ (Hofmann 1979: 69f)

Ignoranz und Blindheit

Manche Leute können ganz schön dogmatisch werden, wenn es um „Mutter Ayahuasca“ geht. Sie wird als Beschützerin betrachtet, im Kampf gegen Dämonen und das Böse, als Wegweiserin, als mütterliche Gottheit. All das ist in Ordnung, wenn man sich mit der Geschichte von Ayahuasca beschäftigt hat und feststellt, was für eine Tiefe und Weisheit die Traditionen bergen. Es ist ebenfalls in Ordnung, es selbst während einer Zeremonie so empfinden und die Stärke und Einsicht, die diese Begegnung mitbringt, für sein weiteres Leben zu nutzen. Wie sollte das auch nicht in Ordnung sein?

Aber bei alldem ist es wichtig, skeptisch zu bleiben und die mystischen Glaubenssätze nicht einfach zu übernehmen. Ist es wirklich eine weibliche Gottheit, die vielen Menschen auf einem Ayahusaca-Trip begegnet, oder kann es nicht auch die Projektion eigener psychischer Anteile sein? Mutter Ayahuasca begegnet uns möglicherweise als ein Archetyp, ist eine Kreation unseres eigenen Bewusstseins und hilft daher nur soweit, wie man sich selbst hilft. Natürlich könnte man damit argumentieren, dass doch egal ist, woran man glaubt, solange es einen nur weiterbringt. Meiner Meinung nach ist da allerdings Vorsicht geboten: Ein ideologisches Gerüst unhinterfragt annehmen, nur weil es exotischer ist, in einen Kübel zu kotzen, als Sonntags in der Kirche mit alten Frauen zu singen, birgt in sich die Gefahren von Ignoranz und geistiger Verschlossenheit.

Ayahuasca ist kein Allheil- oder Wundermittel

Das Partizipieren an einer Zeremonie alleine ist nicht alles. Viel mehr müssen die Erkenntnisse im Anschluss reflektiert und ins Leben integriert werden. Darin liegt eigentlich die Hauptarbeit. Der Glauben daran, dass Ayahuasca-Zeremonien alle Probleme lösen, erwächst aus dem oben genannten dogmatisch- religiösen Glaubenssystem und kann einen schnell wieder auf den harten Boden der Realität plumpsen lassen.

Vorsicht ist besser Nachsicht

„Da solche Versuche [Einnahme von LSD, Anm.] oft in Unkenntnis der unheimlichen, nicht voraussehbaren Tiefenwirkung und ohne ärztliche Überwachung durchgeführt wurden, nahmen sie nicht selten ein böses Ende. Mit zunehmenden LSD-Konsum in der Drogensezene mehrten sich solche horror-trips [sic!], LSD-Versuche, die zu Verwirrtheitszuständen und Panik führten und in deren Folge es zu schweren Unglücksfällen und auch Verbrechen kam.“ (Hofman 1979: 68)

Mittlerweile gibt es Berichte darüber, dass die gesteigerte Nachfrage nach Ayahuasca-Zeremonien, viele Scharlatane hervorgebracht hat. Deswegen sollte man am besten nicht spontan mit demjenigen „Curandero“ mitgehen, der einem an der Straßenecke in Iquaros (Peru), ein Sonderangebot macht.

Aber selbst wenn man sich vorab informiert, bleibt immer ein gewisses Restrisiko bestehen. Mittlerweile sind mindestens ein (ungeklärter ) Todesfall und sogar ein Mord bekannt geworden. Außerdem kursieren Berichte von Frauen im Netz, die deklarieren, während einer Zeremonie sexuell belästigt oder vergewaltigt worden zu sein. Es gilt, auf jeden Fall vorsichtig zu sein.

Ayahuasca-Tourismus und die Kommerzialisierung einer heiligen Pflanze

Durch die hohe Nachfrage und den Gewinn, den sich im „Geschäft“ Partizipierende erhoffen, wird auf Nachhaltigkeit keinen Wert mehr gelegt. Doch die natürlichen Ressourcen sind begrenzt. Und längst sind nicht mehr nur die Indigenen an der Arbeit mit Ayahuasca beschäftigt. Ayahuasca-Zentren sprießen wie die Pilze in der Welt hervor und werden oft von unzureichend ausgebildeten „Schamanen“ geführt. Nicht berücksichtigt wird, dass Ayahuasca für die indigene Bevölkerung im Regenwald um Iquitos zur Kultur gehört, die durch rücksichtlosen Konsum und Profitmaximierung zerstört zu werden droht.

Literatur:
Hofman, Albert (1979): LSD Mein Sorgenkind. Die Entdeckung einer Wunderdroge. Stuttgart: Klett Cotta.

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